Von chronischer Zeitnot, missglücktem Damenfang und Remiskönigen
Frei von Abstiegssorgen konnten wir beim ESV Göttingen 3 antreten; auch wenn es heute nicht geklappt hat mit einem Mannschaftspunkt, besteht doch einiger Grund zur Zufriedenheit. Zum einen war Göttingen tatsächlich an jedem der acht Bretter DWZ-stärker aufgestellt, insbesondere an den ersten zwei Brettern betrug ihr Abstand zu unseren Spielern über 200 Punkte. Da ist unsere 3:5-Niederlage schon ein Achtungserfolg. Zum anderen hatten wir nach drei Niederlagen in den ersten drei Spielen der Saison duchaus ernst zu nehmende Abstiegsängste und konnten kaum damit rechnen, dass wir nun einen Spieltag vor Saisonschluss auf dem sicheren siebenten Platz der Tabelle stehen.
Im einzelnen: Stefan musste am ersten Brett nicht nur gegen einen nominell deutlich stärkeren Gegner, sondern auch gegen die ihm nicht so vertraute holländische Eröffnung und auch gegen die Zeit spielen. Nach einigen Fehlentschedungen verlor er im 32. Zug nach Zeit und in schlechterer Stellung.
Überhaupt die Zeitnot: In nahezu allen Partien hatten wir deutlich weniger Zeit auf der Uhr als unsere Gegner, vielleicht gibt es da einen Ansatzpunkt, unsere Effizienz noch zu steigern.
Frank zum Beispiel berichtet davon, dass er in der an sich ruhigen Stellung eines geschlossenen Sizilianers viel zu lange gebrütet habe und durch den Zeitmangel mehrere Ausgleichschancen verpasste. Nach 38 Zügen war der Drops gelutscht und auf dem Partieformular stand bei ihm eine 0.
In Siegfrieds und Christians Partien gab es eine erstaunliche Parallele: Beide träumten davon, die gegnerische Dame einzuschließen und zu erobern. Jedoch entzogen sich die listigen Königinnen beide Male ihrer Gefangennahme. Und nicht nur dies: Bei Siegfried rächten sich die gegnerischen Truppen für den frevlerischen Versuch durch Eroberung eines Bauern, der als gedeckter Freibauer am Rand schließlich für Siegfrieds Partieverlust sorgte. Christian hatte beim vermeintlichen Damengewinn eine Fesselung übersehen. Nun hoffte er noch auf einen „Betrugsversuch“ durch ein Turmopfer, das aber sein Gegner durch die richtige Zugfolge parierte.
Hermann sicherte sich schon vor Saisonende den Titel des Remiskönigs unserer Mannschaft. Viermal unentschieden bei einem Sieg und einer Niederlage – so lautet seine Bilanz. Er griff am Königsflügel, sein Gegner am Damenflügel an, jedoch fixierten sich seine und die gegnerische Bauernkette und nach dem Abtausch der Leichtfiguren hatte keiner mehr eine Gewinnschance.
Burkhard sah sich in einem vom Positionsspiel geprägten Mittelteil der Partie zwar einem Mehrbauern gegenüber; jedoch waren nur ungleichfarbigen Läufer im Spiel verblieben, weil der gegnerische Mehrbauer nicht zur Umwandlung gebracht werden konnte, willigte Burkhards Gegner im 61. Zug ins Remis ein.
Jan kam gegen die Najdorf-Verteidung seines Gegners gut aus der Eröffnung, wollte dann aber zu früh den Hebel ansetzen und geriet sogar zeitweise in Nachteil. Nun brauchte es etwas Glück: Sein Gegner unterschätzte seine Drohung und kurze Zeit später war die Partie zu Jans Gunsten entschieden. Es sei angemerkt, dass Jan bisher mit 4,5 Punkten aus 6 Partien ein hervorragendes Ergebnis erzielt hat.
Auch ich (Karl Ulrich) kam mit gutem Figurenspiel aus der Eröffnung und erlangte einen gefährlichen Angriff, den ich mit Qualitätsgewinn und Damentausch abschließen konnte. Aber die schon erwähnte Zeitnot sorgte dafür, dass es im Endspiel noch zu einem Bauernrennen kam, das mit beiderseitigem Einzug nebst Umwandlung zur Dame ausging. Zum Glück behielt ich dabei einen ganzen Turm mehr auf dem Brett, so dass mein Gegner aufgab.
Im Abschlussspiel treffen wir nun auf die starke Mannschaft von Hameln 3, die wohl im Fernduell versuchen wird, die mit nur einem Brettpunkt vor ihr liegende Mannschaft von ESV Göttingen 2 noch vom Aufstiegsplatz zu verdrängen. Auch wenn es für uns selbst um nichts mehr geht – der siebente Tabellenplatz steht schon jetzt fest - sollten wir uns so teuer wie möglich verkaufen.
P.S. Zum Foto: Keineswegs hat es in Göttingen geschneit. Aber wir spielten exakt in der gleichen Aufstellung wie auf diesem Mannschaftsfoto in Alfeld.